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Wie Kraft Foods reagiert


Innovative Verbrauchertäuschung


Fruchtige, rote Tomaten und frisch zubereitetes Pesto prangen auf der Packung des Frischkäses „Philadelphia alla Pesto verde & Tomate“. Doch in Wahrheit enthält das Produkt gerade einmal 0,4% getrocknete Tomaten. Echtes Pesto hat es gleich gar nicht in der Frischkäsezubereitung geschafft, stattdessen hat Hersteller Kraft nur eine Basilikum-Schmelzkäse-Mischung untergerührt. Ein dreister Fall von Verbrauchertäuschung, fanden mehr als 3.000 Mitmacher der abgespeist-Aktion.

Krafts Antwort auf die abgespeist-Aktion

3. November 2009 | Aussen hui, innen pfui – mehr als 3.000 Unterzeichner haben sich bislang bei Hersteller Kraft beschwert, dass auf der Verpackung des Frischkäses „Philadelphia alla Pesto verde & Tomate“ zwar jede Menge Tomaten und ein Mörser voll mit Pesto glänzen, in Wahrheit aber nur 0,4% Tomaten und eine Basilikum-Schmelzkäse-Mischung enthalten sind.

Kein Problem, argumentiert Hersteller Kraft in seiner E-Mail-Antwort an die Unterzeichner, schließlich würde der – mit 0,4% verschwindend geringe – Tomatenanteil die „mediterrane Geschmacksnote“ des Produkts nur unterstreichen. Aha. Und damit das auch ja keiner vergisst, hat Kraft wohl so viele frische Tomaten wie nur möglich auf der Verpackung platziert.

Um so stolzer ist man, dass „der Anteil der Basilikumsoße ganze 9%“ beträgt. Nur ist eine Basilikumsoße – die in Wahrheit eine Basilikum-Schmelzkäse-Mischung ist – noch lange kein Pesto. Das besteht nämlich traditionellerweise aus Basilikum, Olivenöl, Parmesan, und Pinienkernen. Aber auch hier hat der Verbraucherservice von Kraft die passende Antwort parat: Die Bezeichnung „Philadelphia alla Pesto verde & Tomate“ sei „eine übliche Bezeichnung für ein Produkt mit einer bestimmten Geschmacksrichtung“ und würde „nach Pesto Art“ oder auch „mit Pesto Geschmack“ bedeuten. Und deshalb muss ein Frischkäse, der Pesto im Namen trägt, kein Pesto enthalten, sondern nur nach Pesto schmecken. Basta.

Im Internet bewirbt Hersteller Kraft die neue, kleinere Verpackung des Frischkäses vollmundig als „Innovation“. foodwatch wollte deshalb wissen, was genau Kraft - abgesehen von der Verpackung - unter einer „Innovation“ versteht. Nicht sonderlich innovativ die Antwort des Herstellers: Man lobt sich selbst für die Entwicklung von „innovativen Geschmacksrichtungen“ wie „Philadelphia alla Pesto verde & Tomate“. Und sonst? Muss doch wieder die Verpackung herhalten. Kraft betont erneut die Entwicklung der „neuartigen Verpackung“, die dafür sorgt, dass das Produkt „besser frisch bleibt“.

Den Einsatz von Zusatzstoffen wie das umstrittene Carrageen rechtfertigt Kraft schließlich damit, dass fettreduzierte Sorten Frischkäse wie „Philadelphia alla Pesto verde & Tomate“ ohne den Einsatz bestimmter Zusatzstoffe „nicht streichfähig“ wären. Dabei sind Zusatzstoffe selbst bei fettreduziertem Frischkäse nicht unentbehrlich, wie einige „Buko“-Sorten des Kraft-Konkurrenten Arla zeigen.

Für foodwatch bleibt der „Philadelphia des Jahres alla Pesto verde & Tomate“ deshalb auch nach der Antwort des Verbraucherservices von Kraft vor allem eines: der „Qualitätsschwindel des Jahres“.


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