Qualitätsschwindel im Käsebecher
08.10.2009 | Frischkäse wird für gewöhnlich aus Magerquark hergestellt, den man mit Rahm verrührt. Häufig wird noch etwas Salz hinzugegeben und fertig ist der klassische Frischkäse, den einige Hersteller als Geschmacksvariante „natur“ bezeichnen.
Doch damit hat es sich in Sachen Frischkäse natürlich nicht. Im Supermarkt füllen unzählige Sorten und Geschmacksrichtungen sowie fettreduzierte Produkte das Kühlregal. Die meisten enthalten Zusatzstoffe, viele auch Aromen. Nicht nur in Philadelphia, auch in einigen „Almette“ oder „Exquisa“-Sorten stecken Verdickungsmittel wie zum Beispiel das umstrittene E407 (Carrageen), E410 (Johannisbrotkernmehl) oder E412 (Guarkernmehl). Die Verdickungsmittel sorgen vor allem bei fettreduzierten Produkten dafür, dass das Produkt die vom Hersteller gewünschte Konsistenz bekommt. Außerdem verhindern diese Zusatzstoffe, dass Flüssigkeit aus dem Käse austritt. Bei den Produkten aus dem Hause Kraft kommt nicht einmal der „Doppelrahm“-Philadelphia ohne Verdickungsmittel aus, viele Hersteller verzichten zumindest bei den hohen Fettstufen darauf. Auch wenn vorne „natur“ draufsteht, ist also nicht unbedingt „natur“ drin.
In vielen Produkten stecken außerdem Aromen, die den Geschmack aufpeppen. Unter anderem im „Almette Kräuter“-Frischkäse oder „Miree Paprika-Chili“ sowie in den meisten „Philadelphia“-Produkten. Woraus diese Aromen hergestellt sind, erfahren Verbraucher jedoch nicht.
Die Preise für Frischkäse gehen weit auseinander, bekannte Markenprodukte wie Philadelphia und Almette kosten etwa doppelt so viel wie Handelsmarken. Aber im Lebensmittelmarkt heißt teuer nicht gut und billig nicht schlecht. Im Kräuterfrischkäse der billigen Handelsmarke „ja“ von Rewe stecken zum Beispiel im Gegensatz zu „Philadelphia Kräuter“ oder „Almettte Kräuter“ laut Zutatenliste keine Aromen. Und übrigens auch keine Verdickungsmittel.
Die Lebensmittelhersteller und ihre Lobbyvertreter tragen immer wieder gern die alte Leier vom geizigen Verbraucher, dem Preis wichtiger sei als Qualität vor. Und der darum ja im Prinzip selbst schuld daran sei, wenn ihm Analogkäse, Schinkenimitat und Produkte voller Zusatzstoffe vorgesetzt werden. Auch der Kraft-Chef Hubert Weber hatte als Reaktion auf die Verbraucherproteste gegen die Philadelphia-Preiserhöhung in einem Interview geäußert, er bedauere, dass „die Deutschen bei Nahrungsmitteln, anders als bei Auto und Urlaub, eher auf den Preis als auf die Qualität achten.“
So lange „Qualität“ jedoch vor allem aus leeren Werbeversprechen besteht und Zutatenschwindel wie bei „Philadelphia alle Pesto verde & Tomate“ ganz legal sind, haben Verbraucher gar keine andere Wahl, als sich am Preis zu orientieren. Denn wenn nicht nachvollziehbar ist, was die angeblich höhere Qualität überhaupt ausmacht – warum sollten Verbraucher dann mehr bezahlen? Die Konzernchefs der Lebensmittelbranche müssen sich endlich etwas anderes als Kundenbeschimpfungen einfallen lassen. Zum Beispiel Produkte, deren beworbene „einzigartige Qualität“ sich nicht in blumigen Werbesprüchen, sondern in besten Zutaten, authentischen Geschmackserlebnissen, schonender Verarbeitung oder dem Verzicht auf vermeidbare Zusatzstoffe niederschlägt.
Beschweren Sie sich bei Kraft Foods über den Schwindel!