Profi-Sportler als Balljungen der Lebensmittelindustrie
29. April 2010 | Die Ferreros sind nicht die einzigen, die ihr Junk-Food mit Sport aufwerten möchten. Junge, erfolgreiche Profi-Sportler – vor allem Fußballer – sind begehrte Maskottchen für die Konzerne. Die sind beliebt und genießen als Idole großes Vertrauen, vor allem bei Kindern und Jugendlichen.
Was haben diese Personen gemeinsam: Thomas Müller, Maria Riesch, Bastian Schweinsteiger, Susi Kentikian, René Adler, Gerd Müller und die Huberbuam? Richtig. Alle lassen sich von der Lebensmittelindustrie vor den Karren spannen. Mit sportlichen Werbefiguren lassen sich Kartoffelchips, Wurst, zuckrige Milchgetränke und andere Süßigkeiten offenbar besser verkaufen.
Traurig, dass die Sportler ihre Vorbildfunktion nicht ernst zu nehmen scheinen – als Sympathieträger genießen sie besonders bei Kindern und Jugendlichen großes Vertrauen. Doch als Maskottchen für ganz und gar nicht ausgewogene Lebensmittel werden Sie dieser Verantwortung nicht gerecht – im Gegenteil. Sie kurbeln im Auftrag der Konzerne die Verkaufszahlen für deren Produkte an. Und das quasi nebenberuflich – schließlich verdienen Profi-Sportler auch ohne Werbegelder schon deutlich mehr als Normalsterbliche. Gerade Kindern wird so von ihren größten Helden vermittelt, dass Schoko, Chips und Wurst besonders begehrenswert sind und gut zu einem sportlichen Lebensstil passen. Dabei essen die meisten deutschen Kinder schon zu viele Süßigkeiten und zu viel Fleisch, aber zu wenig Obst und Gemüse.
Es ist armselig, dass sich Konzerne wie Ferrero mit Hilfe von Sportlern ein besseres Image erkaufen können. Klicken Sie sich durch unsere Sportler-Junk-Food-Fotostrecke:
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Kraft Foods hat es mit Milka vor allem auf den Wintersport abgesehen – „seit vielen Jahren im Skisport erfolgreich vertreten“ nennt der Hersteller das in bestem Marketing-Deutsch. Maria Riesch rast derzeit im TV für Milka den Abhang herunter. Passend dazu: Die Schokolade „Abfahrt“. Mit mehr Gewicht auf den Hüften kommt man ja bekanntlich auch schneller den Berg runter.
„BiFi esse ich schon seit meiner Kindheit gern“, so Werbemaskottchen Thomas Müller über die Fett- und Salzbombe von Unilever. So etwas Ähnliches hat unser Schweini früher auch gesagt. Der war nämlich vorher bei Unilever unter Vertrag. Nun ist er aber umgestiegen...
...und schwärmt neuerdings für Chipsfrisch von funny-frisch. Auch Herr Schweinsteiger nimmt es offenbar mit der Verantwortung nicht so ernst, die er als Sympathieträger und Vorbild hat.
Thomas Müller scheint seit seiner WM-Leistung schwer beliebt bei der Industrie. Für Müllermilch hat er sich Unterstützung seines Namensvetters Gerd Müller geholt. Und die von Müllermilch haben mitgedacht, denn der Zuckergehalt des Schoko-Drinks reicht mindestens für zwei. Pro Flasche sind es etwa 15 Stück Würfelzucker.
Ferrero kennt sich aus mit Sport. Für nutella hat sich der Konzern die Fußball-Nationalmannschaft besorgt. Und, welch Wunder: Das Institut für Sporternährung e.V. empfiehlt neben der Milch-Schnitte als Zwischenmahlzeit auch nutella zum Frühstück. Trotz alarmierender Nährwerte und drei roten Ampeln.
Nationalkeeper René Adler und sein Bruder sind die Maskottchen der aktuellen Monte-Werbekampagne. Im TV-Spot wird erzählt, wie René durch seinen Bruder – und Monte, versteht sich – zum Fußball gefunden hat. Doch Nationaltorwart hin oder her – der Milchdrink ist fast so zuckrig wie Coca Cola.
Früher waren es die Klitschko-Brüder, heute Boxweltmeisterin Susi Kentikian und die Speedkletterer Huberbuam, die der Milch-Schnitte ein locker leichtes Image verleihen sollen. Doch in Wahrheit...
...ist selbst Schoko-Sahnetorte im Vergleich zur Milch-Schnitte ein Diät-Produkt (hier von Coppenrath & Wiese). Vielleicht sollte die Torte auch mal beim Institut für Sporternährung anfragen, ob Sie als empfehlenswerte Zwischenmahlzeit durchgeht.
Und weil Sportler in TV-Spots anscheinend nicht ausreichen, um so richtig sportlich zu wirken, ist Ferrero darüber hinaus noch in Sportverbänden und -initiativen unterwegs. Doch: Ferrero ist und bleibt ein Süßwarenhersteller. Sportlich ist daran überhaupt nichts.
*Screenshots aus TV-Spots