Wie Nestlé reagiert


Schluss mit der Natur-Pur-Lüge

Nestlé Maggi Naturpur Bio


Drauf stand „ohne den Zusatzstoff Geschmacksverstärker“. Drin war: Hefeextrakt. Der enthält die geschmacksverstärkenden Substanzen Glutamat, Inosinat und Guanylat. Trotzdem muss Hefeextrakt nicht als Geschmacksverstärker gekennzeichnet werden, denn er gilt als natürliche Zutat und nicht als Zusatzstoff. Wenn aber so prominent mit dem Aufdruck „ohne“ Geschmacksverstärker geworben wird, sollte auch wirklich keiner drin sein! Das fanden auch 4.000 Bürger und schrieben an Nestlé – mit Erfolg.

Nestlé nimmt Maggi Natur-Pur-Tütensuppen vom Markt

03. September 2009 | Denn Nestlé hat die „Maggi Natur Pur Bio“-Tütensuppen 2009 aus dem Programm genommen. Übrig geblieben sind nur „Natur Pur“-Salatsaucen und Brühe – und zwar ohne Hefeextrakt.

Auf Beschwerden von Verbrauchern reagieren Unternehmen also empfindlich. Gemeinsam können Verbraucher etwas gegen die systematische Täuschung im Supermarkt tun. Darum unterstützen Sie jetzt auch unsere anderen Mitmachaktionen gegen Werbelügen und Etikettenschwindel. Bewegen Sie etwas und machen Sie jetzt mit!

Alter Geschmacksverstärkerschwindel auf einer neuen Suppe

08. Oktober 2008 | Von Januar bis Oktober 2008 stand die „Maggi Natur Pur Spargelcremesuppe“ von Nestlé im Fokus von abgespeist.de. Die Tütensuppe warb mit dem Slogan: „Ohne Zusatzstoff Geschmacksverstärker“. Sie enthielt jedoch glutamathaltigen Hefeextrakt. Der wird zwar als Geschmacksverstärker eingesetzt, muss aber nicht als solcher gekennzeichnet werden. Inzwischen hat Nestlé von „Natur Pur“ auf „Natur Pur Bio“ umgestellt. Der Geschmacksverstärker-Schwindel ist trotzdem derselbe geblieben.

Nestlé hat die „Natur Pur“-Produktlinie umfangreich ausgebaut. Ob auch die Spargelcremesuppe mit einem Biosiegel wiedergeboren werden wird, wollte die Maggi-Pressestelle uns nicht mitteilen. Aus „Wettbewerbsgründen“ könne man über die „Sortimentsgestaltung“ leider keine Angabe machen.

Dafür gibt es jetzt zum Beispiel „Maggi Natur Pur fix für Nudel-Broccoli-Gratin“, das hauptsächlich aus Stärke und Salz besteht. Oder die „ 5 Minuten Terrine Gemüseboullion mit Nudeln“. Sie enthält mehr Salz und Hefeextrakt als Gemüse und ist zusätzlich mit Aroma aufgepeppt, das laut Verpackung nicht aus biologischem Anbau. Das sind aber nur einige der neuen Bio-Highlights des weltgrößten Lebensmittelkonzerns.

Biosiegel hin oder her - die neuen Suppen haben das alte Problem. Auch die Verpackung der „Bio Frühlingsgemüsesuppe“ wirbt trotz Hefeextrakt in der Zutatenliste damit, dass sie keinen „Zusatzstoff Geschmacksverstärker“ enthält.

Wenn Nestlé auf den „Natur Pur“-Produkten nämlich auslobt, „ohne Zusatzstoff Geschmacksverstärker lt. Gesetz“, schließt das nur Substanzen ein, die laut Gesetz als Zusatzstoff definiert sind – Mononatriumglutamat zum Beispiel. Hefeextrakt gilt lebensmittelrechtlich aber als Zutat und nicht als Zusatzstoff, auch wenn er mit natürlicher Hefe nicht mehr viel zu tun hat. Zur Herstellung werden Hefezellen mithilfe von Kochsalz, Wasser und Hitze oder mit Salzsäure und Natronlauge in ihre kleinsten Bestandteile zerlegt und aufgereinigt. Dabei entstehen die geschmacksverstärkenden Substanzen Glutamat, Inosinat und Guanylat. Der Eindruck, die „Maggi Natur Pur Bio Frühlingsgemüsesuppe“ wäre frei von Geschmacksverstärkern, täuscht also.

Fazit der Bio-Frischekur von „Maggi NaturPur“: Ein Bio-Siegel macht nicht ehrlicher. Dass es auch ohne Etikettenschwindel geht, beweist Nestlé übrigens selbst: Die „Maggi Natur Pur Bio Gemüsebrühe“ enthält nämlich keinen Hefeextrakt. Das betont Nestlé sogar ausdrücklich auf der Maggi-Internetseite: "Der hohe Gemüseanteil sowie der Verzicht auf Hefeextrakt [...] garantieren einen 100% unverfälschten Gemüsegeschmack". Geht doch.

Geschmacksverstärkte Ausreden: Nestlés Antwort auf die abgespeist-E-Mail-Aktion

21. März 2008 | „Hefeextrakt enthält - wie alle eiweißhaltigen Lebensmittel sowie Obst und Gemüse - von Natur aus Glutamat“, hat Nestlé allen geantwortet, die über abgespeist.de eine E-Mail verschickt haben. Aus dieser Tatsache schlussfolgert Nestlé: „Hefeextrakt ist genauso wenig "Geschmacksverstärker" wie Parmesan oder Erbsen.“ Erbsen sind für eine Erbsensuppe unverzichtbar. Ein Rezept für Spargelsuppe, in dem Hefeextrakt als Zutat aufgeführt war, haben wir nicht gefunden. Nestlés Vergleich hinkt also.

Erbsen, Parmesan oder Tomaten enthalten von Natur aus Glutamat, Inosinat und Guanylat - es wird ihnen im Gegensatz zur Maggi Natur Pur Suppe aber nicht erst zugesetzt. Denn dass Hefeextrakt vor allem eingesetzt wird, um den Geschmack einer Zutatenmischung zu verstärken, steht zum Beispiel im „Dr. Oetker Lebensmittellexikon“:

"Aufgrund seines fleischbrühartigen Eigengeschmacks und der geschmacksverstärkenden Wirkung (bedingt v.a. durch die enthaltene Glutaminsäure), wird Hefeextrakt in der Lebensmittelindustrie häufig zur Herstellung von Speisewürze, im Reformhaus auch zur Geschmacksverstärkung anstelle von Natriumglutamat eingesetzt."

Weil Hefeextrakt lebensmittelrechtlich eine Zutat und kein Zusatzstoff ist, muss er nicht als „Geschmacksverstärker“ bezeichnet werden - auch wenn er als solcher wirkt und eingesetzt wird. Darum führt Nestlé Verbraucher mit der Behauptung, Natur Pur enthalte keine Geschmacksverstärker in die Irre.

Wir finden: Wer damit wirbt, ohne geschmacksverstärkende Stoffe auszukommen, sollte sich auch daran halten. Oder: Wer Hefeextrakt einsetzt, sollte nicht vollmundig damit werben, dass sein Produkt frei von Geschmacksverstärkern ist. Und damit etwas versprechen, was das Produkt nicht halten kann.


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