Kann denn Liebe Lüge sein?

Landliebe Landmilch von Campina

Teuer ist, wenn es Landliebe ist

Nov 2012 | Landliebe-Milch kostet pro Liter bis zu 50 Cent mehr als andere Milch. Mit Werbeversprechen wie „artgerechter Tierhaltung“ begründet der Hersteller Campina Preis. foodwatch kritisierte im April 2008, dass Campina diese Versprechen nicht belegen kann und der immense Mehrpreis nicht gerechtfertigt ist. Tausende Verbraucher beschwerten sich deshalb bei Campina. Seit Oktober 2008 ist die Milch „ohne Gentechnik“. Das freut viele Verbraucher, bei den Bauern kommt allerdings nur ein Cent mehr pro Kilogramm Milch an. Auch das also kein Grund für 50 Cent Aufpreis. Campina hält die Kritik für unberechtigt, tut sich aber nach wie vor schwer, Mehrpeis und Qualitätsversprechen überzeugend zu erklären.

Ohne Gentechnik, mit Preisaufschlag

Jan 2009 | Landliebe-Milch gibt es jetzt mit einem „Ohne Gentechnik“-Siegel. Das heißt, die Kühe dürfen nicht mehr mit gentechnisch veränderten Pflanzen gefüttert werden. Im Prinzip eine gute Sache. Denn nur wenn immer mehr Hersteller gentechnikfreie Produkte anbieten, können sich Verbraucher bewusst gegen Gentechnik im Essen entscheiden. Die Entscheidung für die Landliebe-Milch ist allerdings eine teure, denn sie kostet pro Liter bis zu 50 Cent mehr als andere Milch. Bei den Bauern kommt nur ein winziger Bruchteil des satten Preisaufschlages an. Kein Wunder, denn Verbraucher bezahlen den Mehrpreis vor allem für eines: ausgebufftes Marketing.

Stadt-, Land-, Flussmilch

April 2008 | „Frische Landmilch“ steht auf der Packung. Von Campina erfahren Verbraucher, dass Landliebe „eng mit dem Leben auf dem Land“ verbunden ist. Aha. Schön, dass Landliebe dem Trend zum innerstädtischen Bauernhof nicht folgt. Zudem sei Landliebe „durch nachhaltige Produktion“ gekennzeichnet, denn sie sei ohne Gentechnik hergestellt. Aus der Tatsache, dass die Landliebe-Bauern von Campina jedoch nur eine Sonderzulage von 1 Cent pro Kilogramm Milch bekommen, ließe sich schließen, dass nachhaltige Produktion gar nicht so teuer ist. Fragt sich, wohin der Rest des Preisaufschlages von 30-50% fließt. In nachhaltige Marketingmanöver?

Noch einmal mit Gefühl

April 2008 | Landliebe bietet „Verbrauchern mit dem Wunsch nach Ursprünglichkeit das Gefühl von Wohlfühlen, Verwöhnt werden und Geborgenheit“, sagen die Landliebe-Marketing-Experten. Aber so viel Gefühl gibt es natürlich nicht umsonst – Landliebe kostet pro Liter etwa so viel wie Bio-Milch. Im Gegensatz zu dieser aber unterliegt Landliebe-Milch keinen speziellen, gesetzlich verankerten Richtlinien, deren Einhaltung ein Prüfsiegel bestätigt. Nachprüfbare Belege für die angeblich hohe Qualität der Milch liefert Campina nicht. Gefühle statt Fakten – so beschert Landliebe Campina 300 Millionen Euro Umsatz pro Jahr, Tendenz steigend.

Wer fragt, bekommt auch keine Antwort

April 2008 | Wer soviel Qualität garantiert, der müsste ohne Umschweife belegen können, was er behauptet. Dachten wir und haben bei Landliebe nachgefragt. Wer kontrolliert die „strengen Richtlinien“ für Landliebe? Campina selbst natürlich. Und „unabhängige Institute“. Welche das sind, verrät Campina leider nicht – auch nicht auf wiederholte Nachfrage. Was genau wird geprüft und von welchen Höfen kommt Landliebe-Milch? Erfahren wir nicht. Stattdessen werden Selbstverständlichkeiten wie tierärztliche Kontrollen als besondere Qualitätskriterien herausgestellt. Mehr als Werbeversprechen hat Landliebe offenbar nicht zu bieten.

Der große Bluff

April 2008 | Wer eine Garantie gibt, der hält sich auch an seine Versprechen, oder? Landliebe garantiert zum Beispiel „artgerechte Tierhaltung“, laut Campina-Kundenservice heißt das: helle Boxenlaufställe. Wie das kontrolliert wird, von welchen Höfen die Milch kommt, erläutert Campina nicht näher. Wie können Verbraucher dann die Garantie überprüfen? Gar nicht. Juristisch hat sie sowieso keinen Bestand. Garantiert werden kann nur die Beschaffenheit eines Produktes, nicht die Herstellungsbedingungen. Landliebe garantiert also etwas, was nicht belegt wird, nicht überprüft werden kann und auf das rechtlich gar kein Garantieanspruch besteht.

Wer kennt die Kuh?

April 2008 | Landliebe kommt von „ausgewählten“ Höfen, die Campina „kennt und kontrolliert“. „Bei uns auf dem Land legen wir besonders viel Wert auf artgerechte Tierhaltung“, heißt es auf der Verpackung. Wie beruhigend. Wenn das aber Teil einer besonderen „Qualitätsgarantie“ ist, sind dann die Höfe, von denen andere Campina-Milch kommt, unbekannt und unkontrolliert? Leben die Kühe nicht auf dem Land? Werden Sie nicht artgerecht gehalten? Laut Website und Verbraucherhotline halten alle Campina-Bauern die Kühe gesund und „im Rahmen des Tierschutzgesetzes“ artgerecht. Die „Qualitätsgarantie“ – heiße Luft in perfekter Verpackung.

Ganz besonders besonders

April 2008 | Landliebe-Milch wird nicht nur regelmäßig auf Rückstände untersucht, es werden auch die „strengen Kriterien der Babynahrung“ herangezogen. Bedeutet: Die Grenzwerte für beispielsweise Pflanzenschutzmittel sind besonders niedrig. Außerdem darf die Anzahl der Keime in der Milch nicht mehr als 10.000 pro Liter betragen. Die gesetzlichen Rückstandshöchstmengen werden allerdings von keiner Campina-Milch überschritten. Und allgemein überschreitet Milch in Deutschland selten die Keimzahl von 20.000. Gesetzlicher Grenzwert sind 100.000. Fazit der Rechnerei: Auch hier konstruiert Landliebe „besondere“ Qualität, die gar nicht besonders ist.

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Lesen Sie hier, wie Campina reagiert.

Veröffentlichungsdatum: 30.01.2009

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