Wie Nestlé reagiert


Verwirrende Zahlenspiele





Nestlé Fitness Fruits enthalten auf 100 Gramm 35,3 Gramm Zucker. Ziemlich viel für Frühstücksflocken, die als Schlankmacher beworben werden. Ein Teil des Zuckers steckt in den Trockenfrüchten, ein Teil wurde zugesetzt. Aber Zucker ist eben Zucker. So weit, so einfach.

Nestlés Antwort auf die abgespeist-E-Mail-Aktion

24. Juni 2008 | Doch wie reagiert Nestlé auf den Vorwurf des Etikettenschwindels? In einer Antwort an die Unterzeichner der abgespeist-E-Mail-Aktion rechnet das „Ernährungsstudio“ erst einmal vor, dass Trockenfrüchte viel Zucker enthalten. Außerdem sei die „knusprige Getreidekost“ mit „geringen Mengen Zucker überzogen“.

Nun kann die „geringe Menge“ an Zucker so gering nicht sein. Denn die „Fitness“-Flocken „ohne alles“ (also ohne Trockenfrüchte) enthalten 17,1 Gramm Zucker. Eine „rote Ampel“ nach britischem Vorbild für Zucker gibt es ab 12,5 Gramm pro 100 Gramm. Zum Vergleich: Haferflocken enthalten fast doppelt so viele Ballaststoffe und Eiweiß wie die „Fitness Fruits“, dafür aber nur 1,2 Gramm Zucker auf 100 Gramm.

Zusammen mit dem konzentrierten Zucker der Trockenfrüchte kommen die Fitnessflocken auf einen Zuckergehalt von satten 35 Prozent. Dass der Zucker der Trockenfrüchte laut Nestlé „langsam vom Körper aufgenommen wird“ hilft da wenig angesichts der Menge von Zucker, die „Fitness Fruits“ enthalten.

Immerhin schreibt das „Ernährungsstudio“ selbst, dass „ein ausgewogener Tageskostplan für Erwachsene“ etwa 60 Gramm Zucker enthalten sollte. Leider jedoch würde „der Bürger im Durchschnitt durch Essen und Trinken täglich etwa 100 Gramm Zucker“ verzehren.

Dazu trägt Nestlé dann auch tatkräftig bei, denn schon mit einer winzigen 40-Gramm-Portion „Fitness Fruits“, kombiniert mit 125 Milliliter entrahmter Milch, nimmt man 20 Gramm Zucker zu sich.

Fazit: Über die einfache Tatsache, dass die zuckrigen Frühstücksflocken alles andere als Fitmacher sind, versucht Nestlé mit zahlenreichen Rechnereien hinwegzutäuschen. Der Konzern beweist damit einmal mehr, dass er sich auf die Irreführung der Verbraucher besser versteht als auf die Herstellung ausgewogener Produkte mit ehrlichen Etiketten.


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