Der Koch, die Dose und der Etikettenschwindel
Duett Champignon Creme-Suppe von Escoffier
Der Tütensuppe neue Kleider
Tütensuppen stehen nicht gerade im Ruf, Gourmetqualitäten zu haben. Kein Wunder, schließlich bestehen sie vor allem aus Stärke, ein bisschen getrocknetem Gemüse, Aromen, Geschmacksverstärkern und jeder Menge Salz. Für ein Päckchen zahlt man selten mehr als 1 Euro. Das „New kid on the block“ im Geschäft, die Firma Escoffier, verlangt für ihre Champignon-Suppe das Dreifache. Frei nach dem Motto „Kleider machen Leute“ kommt die Tütensuppe hier als Dosenduett daher und wird als „Kochkreation von Gourmetköchen“ verkauft. Die Zutatenliste allerdings unterscheidet sich kaum von der einer Maggi Meisterklasse. Echter Dosen-Schwindel!
Schuhbecks Dosen-Schubidu
Für Escoffier-Produkte werden „ausgewählte Zutaten“ mit „Kunstfertigkeit“ von „Spitzenköchen“ verarbeitet. Und Alfons Schuhbeck hat laut Hersteller die Entwicklung des Sortiments aus Suppen, Fonds und Saucen „mit all seiner Erfahrung und Kreativität“ begleitet. In „Schuhbecks Kochschule“ fordert der Fernsehkoch zum „Respekt vor den Zutaten“ auf und betont, dass Qualität und sorgfältige Verarbeitung das Wichtigste beim Kochen seien. Darum kommen in die Escoffier-Produkte wohl auch Qualitätszutaten wie Verdickungsmittel, Farbstoffe, Stabilisatoren und Geschmacksverstärker? Für so viel Kunstfertigkeit und Kreativität - Respekt, Herr Schuhbeck!
Dosensternchen
Eine Escoffiersuppe ist nicht irgendeine Suppe, nein sie ist eine „Gourmetsuppe“, die eine „authentische Zubereitung in Anlehnung an die Spitzengastronomie“ ermöglicht. „Fond und feine Zutaten“ werden „erst beim Kochen zusammengeführt“. Klingt schwierig, aber Sternekoch und Escoffier-Suppen-Pate Schuhbeck zeigt zum Glück höchstpersönlich in einem Video, wie’s geht: Dosen auf, Pulver einrühren, aufkochen und – ganz wichtig – „a bisserl ziehen lassen“. Ob er das gemeint hat, als er in einem Kochbuch empfahl: „Wenn wir mit dem kochen, was die Umgebung hergibt, dann essen wir automatisch abwechslungsreich, vielseitig und gesund“?
Im Namen des Meisters
In seiner Kochshow kündigte Markus Lanz Alfons Schuhbeck mal als „unseren Meister“ und „Guru“ an. Der Meister selbst überrascht das Publikum gern mit seinem reichen Wissen über Gewürze, Vitamine und gesunde Ernährung. In einem seiner Kochbücher fragt er: „Was gibt es Schöneres, als frische Lebensmittel in köstliche Gerichte zu verwandeln?“ Tja, Dosensuppen, Fertigsaucen und Pasten mit Geschmacksverstärkern vielleicht? Immerhin leiht Guru Schuhbeck ihnen sein Gesicht und seinen guten Namen. Und suggeriert Verbrauchern damit eine besondere Produktqualität, die am Ende vor allem eines ist: ein teurer Etikettenschwindel mit einem bekannten Namen.
Haute Cuisine Industrielle
Wie macht man aus Suppen- und Saucenpulvern teure Feinschmecker-Produkte? Ganz einfach: Man liefert das Wasser, in das die aromatisierten Stärkepülverchen eingerührt werden gleich mit, füllt beides in Dosen ab, gibt dem Ganzen einen französischen Namen und besorgt sich einen besternten Fernsehkoch, der sich nicht zu schade ist, die Werbetrommel dafür zu rühren. Aus dem Pulver wird dann flugs eine „Komposition“ und aus dem Wasser mithilfe von Salz, ein paar Gewürzen und Hefeextrakt ein „Fond“. Das ergibt am Ende zwar keine Suppenqualität, die den satten Aufpreis wert wäre – macht dafür aber jede Menge Dosenmüll.
Das Schweigen der Dosenköche
foodwatch fragte Escoffier, was die angeblich besondere Qualität der Duett-Suppe ausmacht und welche Rolle die „Gourmetköche“ bei der Entwicklung gespielt haben. In ihrer Antwort wiederholt die Firma lediglich den Werbetext von der Dose und möchte auf „weitere Detailfragen“ nicht eingehen. Und Alfons Schuhbeck? Der schrieb uns auf die Frage, inwiefern er in die Entwicklung der Produkte eingebunden war: „So gesehen schmecke ich die Suppe ab.“ Was die besondere Feinschmecker-Qualität der Escoffier-Suppe ausmacht aber, wollte auch er uns nicht sagen. Dosenfeinschmecker sind offenbar sehr verschwiegen …
Letzte Änderung: 09.07.2009