Die Dosensuppenevolution

Duett Champignon Creme-Suppe von Escoffier

Die Dosensuppenevolution

Jan 2011. Es tut sich was: Bislang war sie kaum mehr als aromatisiertes Salzwasser mit Stärke, Zusatzstoffen und Aromen. Nun wandelt sich die „Duett Champignon Creme-Suppe“ zu einer „richtigen“ Suppe. Der „Fond“ ist laut Hersteller inzwischen ein klassischer, eingekochter Fond auf Basis von Brühe, Gemüse und Kräutern. Und das Suppenpulver wurde von einer ganzen Reihe von Zusatzstoffen befreit. Auch Hefeextrakt soll aus der Rezeptur verschwinden, so Escoffier. Schön! Aber wieso sind erst 4000 Verbraucherbeschwerden nötig, damit ein Produkt auch nur ansatzweise hält, was es verspricht? Das sollte eigentlich selbstverständlich sein!

Der Tütensuppe neue Kleider

Jul 2009. Tütensuppen stehen nicht gerade im Ruf, Gourmetqualitäten zu haben. Kein Wunder, schließlich bestehen sie vor allem aus Stärke, ein bisschen getrocknetem Gemüse, Aromen, Geschmacksverstärkern und jeder Menge Salz. Für ein Päckchen zahlt man selten mehr als 1 Euro. Das „New kid on the block“ im Geschäft, die Firma Escoffier, verlangt für ihre Champignon-Suppe das Dreifache. Frei nach dem Motto „Kleider machen Leute“ kommt die Tütensuppe hier als Dosenduett daher und wird als „Kochkreation von Gourmetköchen“ verkauft. Die Zutatenliste allerdings unterscheidet sich kaum von der einer Maggi Meisterklasse. Echter Dosen-Schwindel!

Schuhbecks Dosen-Schubidu

Jul 2009. Für Escoffier werden „ausgewählte Zutaten“ mit „Kunstfertigkeit“ von „Spitzenköchen“ verarbeitet. Und Alfons Schuhbeck hat laut Hersteller die Entwicklung des Sortiments aus Suppen, Fonds und Saucen „mit all seiner Erfahrung und Kreativität“ begleitet. In „Schuhbecks Kochschule“ fordert der Fernsehkoch zum „Respekt vor den Zutaten“ auf und betont, dass Qualität und sorgfältige Verarbeitung das Wichtigste beim Kochen seien. Darum kommen in die Escoffier-Produkte wohl auch Qualitätszutaten wie Verdickungsmittel, Farbstoffe, Stabilisatoren und Geschmacksverstärker? Für so viel Kunstfertigkeit und Kreativität - Respekt, Herr Schuhbeck!

Dosensternchen

Jul 2009. Eine Escoffiersuppe ist nicht irgendeine Suppe, nein sie ist eine „Gourmetsuppe“, die eine „authentische Zubereitung in Anlehnung an die Spitzengastronomie“ ermöglicht. „Fond und feine Zutaten“ werden „erst beim Kochen zusammengeführt“. Klingt schwierig, aber Sternekoch und Escoffier-Suppen-Pate Schuhbeck zeigt zum Glück höchstpersönlich in einem Video, wie’s geht: Dosen auf, Pulver einrühren, aufkochen und – ganz wichtig – „a bisserl ziehen lassen“. Ob er das gemeint hat, als er in einem Kochbuch empfahl: „Wenn wir mit dem kochen, was die Umgebung hergibt, dann essen wir automatisch abwechslungsreich, vielseitig und gesund“?

Im Namen des Meisters

Jul 2009. In seiner Kochshow kündigt Markus Lanz Alfons Schuhbeck gern mal als „unseren Meister“ und „Guru“ an. Der Meister selbst überrascht das Publikum dann mit seinem reichen Wissen über Gewürze, Vitamine und gesunde Ernährung. In einem seiner Kochbücher fragt er: „Was gibt es Schöneres, als frische Lebensmittel in köstliche Gerichte zu verwandeln?“ Tja, Dosensuppen, Fertigsaucen und Pasten mit Geschmacksverstärkern vielleicht? Immerhin leiht Schuhbeck ihnen sein Gesicht. Und suggeriert Verbrauchern damit eine besondere Produktqualität, die am Ende vor allem eines ist: ein teurer Etikettenschwindel mit einem bekannten Namen.

Haute Cuisine Industrielle

Jul 2009. Wie macht man aus Suppen- und Saucenpulvern teure Feinschmecker-Produkte? Ganz einfach: Erst einmal füllt man das Suppenpulver nicht in eine Tüte, sondern in eine Dose und nennt es „Komposition“. Dazu liefert man das mit Aromen und ein paar Gewürzen aufgepeppte Salzwasser zum Kochen gleich in einer zweiten Dose mit und tauft es „Fond“. Schließlich gibt man dem Ganzen einen französischen Namen und sucht sich einen besternten Fernsehkoch, der sich nicht zu schade ist, die Werbetrommel dafür zu rühren. Das ergibt am Ende zwar keine Suppenqualität, die den satten Aufpreis wert wäre – macht dafür aber jede Menge Dosenmüll.

Wenig auskunftsfreudige Dosenköche

Jul 2009. foodwatch fragte Escoffier, was die angeblich besondere Qualität der Duett-Suppe ausmacht und welche Rolle die „Gourmetköche“ bei der Entwicklung gespielt haben. In ihrer Antwort wiederholt die Firma lediglich den Werbetext von der Dose und möchte auf „weitere Detailfragen“ nicht eingehen. Und Alfons Schuhbeck? Der schrieb uns auf die Frage, inwiefern er in die Entwicklung der Produkte eingebunden war: „So gesehen schmecke ich die Suppe ab.“ Was die besondere Feinschmecker-Qualität der Escoffier-Suppe ausmacht aber, wollte auch er uns nicht sagen. Dosen-feinschmecker sind offenbar sehr verschwiegen …

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Veröffentlichungsdatum: 20.01.2011

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