Phantom-Physalis
Der Gelbe Zitrone-Physalis von Pfanner
Tee-Täuschung
„Der Gelbe Zitrone-Physalis“ steht groß auf der Packung, darunter prangen zwei reife Physalis. Ein Getränk aus Gelbem Tee mit Physalis also? Falsch gedacht, der namengebende Gelbe Tee – der als besonders hochwertig gilt – macht gerade einmal 15% aus. Der Rest ist Kräutertee. Und Physalis steckt gleich gar nicht drin, lediglich Aroma imitiert den Geschmack. Dreister kann eine Verpackung wohl kaum lügen. Der Hersteller allerdings ist sich keiner Schuld bewusst, die „Sachbezeichnung“ für das Produkt – die man nur im Kleingedruckten findet – laute schließlich „Kräuterteegetränk aromatisiert – Zitrone-Physalis“. Jetzt beschweren!
Druiden im Tetrapack
Bei Pfanner kennen sie sich aus mit Galliern, Kelten und Druiden. Die Kräuterteemischung im gelben Teegetränk soll nämlich an die „Mythen“ der Kelten angelehnt sein, die schließlich schon um die „wohltuenden Eigenschaften“ der Kräuter wussten. Allerdings haben die Kelten ihre Kräuteraufgüsse wohl kaum mit Aromen, Zusatzstoffen wie Citronensäure und jeder Menge Zucker angereichert, um sie dann pasteurisiert in Tetrapacks über Monate aufzubewahren. Jedwede magische oder auch tatsächliche Wirkung der Kräuter dürfte sich nach dieser Behandlung nämlich schlichtweg erledigt haben. Und, beim Teutates, ein Zaubertrank ist dieses Gebräu bestimmt nicht.
Blasenkirsche aus dem Labor
Physalis hat viele Namen: Kapstachelbeere, Andenbeere oder Blasenkirsche. Bei Pfanner mutiert Pysalis gar zur „süßen Frucht der Verführung“, die ein „geheimnisvolles Geschmackserlebnis“ verspricht. Letzteres muss man wörtlich nehmen, denn auf der Zutatenliste ist weit und breit keine Physalis zu finden. Für das „Geschmackserlebnis“ ist Aroma zuständig, laut Pfanner eine Mischung aus natürlichen und naturidentischen Aromastoffen. Physalisbestandteile sind darin nicht enthalten, gibt der Hersteller auf Nachfrage zu. Physalis gibt es also nur auf der Verpackung. Zur Verführung sozusagen.
Wellnepp statt Wellness
Der Markt der alkoholfreien Getränke ist hart umkämpft. Dort aufzufallen ist nicht einfach. Also bringen viele Hersteller Produkte heraus, die Wohlfühlen und gesundheitlichen Nutzen versprechen. Meist handelt es sich dabei schlicht um Wasser, angereichert mit angeblich wohltuenden oder gesundheitsförderlichen Kräuter- und Teeauszügen. Das allerdings oft nur in winzigen Alibimengen. Oder gleich gar nicht – dann imitiert nur ein Aroma den Geschmack der angeblichen Wellness-Zutat. Stattdessen stecken Zutaten drin, die eher nicht für ihren Wohlfühleffekt bekannt sind – Zitronensäure zum Beispiel, Konservierungsstoffe oder viel Zucker. Mehr
Phantom-Physalis
Als „Wellness-Tee“ preist Pfanner sein Produkt an. Und zitiert chinesische Sprichwörter und mythische Kelten, um Verbrauchern vorzugaukeln, das Ganze sei eine traditionsreiche und irgendwie besondere Mischung. Aber das Gerede von den „heilsamen Kräften der Natur“ ist nichts als Budenzauber. Laut Pfanner soll die „Verfeinerung mit Zitrone und Physalis“ den Tee um Vitamine und Mineralien bereichern. Nur: Physalis kann hier überhaupt gar nichts bereichern, denn der Tee enthält kein bisschen der namengebenden Frucht. Dreister schwindeln geht kaum. Jetzt beschweren.
Wellness-Zucker zum Wohlfühlen
Ein Grund, warum Pfanner seinen aromatisierten Tee im Tetrapack Verbrauchern als „Wellness-Getränk“ unterjubeln will, ist der angeblich niedrige Zuckergehalt. 30% weniger Zucker als herkömmliche Softdrinks enthalte der Wohlfühltrank. Tja, so einfach geht das mit der Wellness, wenn man sich Cola, Fanta und Co. als Messlatte zulegt. Blöd nur, dass in jedem 2-Liter-Tetrapak des doch so zuckerarmen Wellness-Tees trotzdem immer noch 47 Stück Würfelzucker stecken. Die Lebensmittelampel würde Pfanners Wellness-Schwindel sofort enttarnen und beim Zuckergehalt auf Rot springen. Das sähe dann so aus.
Färberdistel sei Dank
Welche Farbe sollte ein Tee haben, der „Der Gelbe“ heißt? Gelb wäre schon nicht schlecht. Dumm nur, wenn das Getränk, wie in diesem Fall nur zu 15% aus Gelbem Tee besteht. Deshalb findet sich in der Zutatenliste auch Färberdistelextrakt – um „ein zusätzliches Gelb ins Produkt zu bringen“, wie es in der Marketingabteilung von Pfanner heißt. Mehr Gelber Tee wäre auch eine Möglichkeit gewesen. Der ist allerdings ziemlich teuer. Aber wozu in Gelben Tee investieren, wenn man Färberdistel hat... Jetzt beim Hersteller beschweren.
Letzte Änderung: 26.01.2010