Fauler Fruchtzauber


Capri-Sonne von Wild/ SiSi-Werken





Wild gewordene Trinktüte
Auf der Homepage, in der Werbung und natürlich auf der Verpackung, dem „einzigartigen“ Folienstandbeutel – so herrlich viele Früchte leuchten überall unter Capris Sonne. Doch IN der innovativen Verpackung sieht es deutlich trüber aus, da hat es nur zu einer kleinen Pfütze Fruchtsaft gereicht. Den Rest erledigen die tollen Aromen der Firma Wild. Der gehört nämlich nicht nur eine führende Aromenfabrik, sondern auch das schöne Capri-Sonnen-Reich. Wozu braucht es da noch echte Früchte? Ach ja, für schöne Fotomotive.


Der perfekte Fehlstart
„Sie wissen, wie wichtig gesunde Ernährung für einen perfekten Start ins Leben ist. Wir wissen es auch“, heißt es in einer Anzeige von Capri-Sonne. Auch die Fernsehwerbung betont die „gesunden Früchte“, die in Capri-Sonne stecken. Doch Capri-Sonne ist alles andere als ein gesundes Getränk. Eine Packung enthält etwa 6,5 Stück Würfelzucker. Das können Eltern jedoch beim Einkauf nicht erkennen, denn Capri-Sonne verschweigt die Nährwerte auf der Verpackung – unverantwortlich bei einem Getränk für Kinder. Dabei sind gerade Erfrischungsgetränke wie Capri-Sonne einer der bedeutendsten Risikofaktoren für Übergewicht bei Kindern.


Legale Gesundheitstäuschung
In der Capri-Sonne stecken „gesunde Früchte“, heißt es im aktuellen Werbespot. Das suggeriert Verbrauchern, Capri-Sonne sei ein irgendwie „gesundes“ Getränk. foodwatch fragte Capri-Sonne, was für eine „gesunde“ Wirkung denn etwa 10% Fruchtgehalt entfalten könnten. Die verblüffende Antwort: „Gesunde Früchte“ seien eine „Anforderung an die Rohware“. Das heißt, im Endprodukt landen also keine kranken oder faulen Früchte. Toll! Aber das ist ja gesetzlich ohnehin vorgeschrieben. Und es ist bestimmt gar keine Absicht, dass „gesunde Früchte“ nach „gesundem Getränk“ klingen.


Mit Aroma geht die Sonne bei Capri auf
Orangen, soweit das Auge reicht, glänzen auf der Capri-Sonne-Verpackung. Aber der schöne Schein trügt. Gerade einmal 7% stecken in der Capri-Sonne, das sind etwas mehr als zwei Esslöffel pro Packung. Dazu kommen 5% Zitronensaft. Für den Geschmack sorgt dann auch nicht Orangensaft, sondern vor allem Aroma. Das steht recht unscheinbar ganz hinten auf der Zutatenliste, weil man davon nur winzige Mengen braucht. Aber ohne Aroma würde in dem ziemlich langweiligen Wasser-Zucker-Saft-Gemisch nie der „fruchtige“ Capri-Sonne-Geschmack aufgehen. Während vorne die Früchte locken, erledigt das Aroma hinten den Job. Ganz legal. Und ganz irreführend.


Unschuldige Miene zum Etikettenschwindelspiel
Capri-Sonne beschäftigt nicht nur geschickte Aroma-Experten, sondern auch wirklich ausgebuffte Werbe-Profis: „Gesunde Früchte“, „natürlich Spaß“, Sportsponsoring und Anzeigen, die mit der Bedeutung von „gesunder Ernährung“ werben. Capri-Sonne tut alles, um sich ein gesundes Image zu verpassen. Auf Nachfrage von foodwatch gab der Hersteller jedoch an, man behaupte gar nicht, dass Capri-Sonne ein gesundes Lebensmittel ist. Klar, Behauptungen müsste man ja auch beweisen. Mit einer ausgeklügelten Werbestrategie dagegen kann man Verbraucher ganz legal in die Irre führen. Wie praktisch.


Spiel, Sport, Capri-Sonne
Capri-Sonne gehört zu den bekanntesten Marken der Welt. Damit das so bleibt, möchte Capri-Sonne offenbar bei möglichst vielen Kindern Eindruck hinterlassen. Zum Beispiel mit Sponsoring. Capri-Sonne erstellt Unterrichtsmaterialien, ist Förderer des Schulschwimmens in Baden-Württemberg, hat mit dem Capri-Sonne-Delfin ein eigenes Schwimmabzeichen etabliert, „powered“ eine „Ballschule“ und vermittelt in „Capri-Camps“ „Spaß an Bewegung und gesunder Ernährung“. Natürlich mit einem großen Capri-Sonne-Plakat im Hintergrund und offenbar jeder Menge Capri-Sonne-Trinkpäckchen für die Kleinen. So erzieht man sich wohl begeisterte Konsumenten.


Viel Lärm um nichts
Nur Früchte aus „kontrolliert-integriertem Anbau“ landen in der Capri-Sonne. Klingt gut und irgendwie auch nach „kontrolliert-biologischem Anbau“. Hat aber nichts damit zu tun. Im „integrierten“ Anbau kommen nicht nur alle gesetzlich zugelassenen Pflanzenschutzmittel zum Einsatz. Auch ob Umwelt, Tierwelt oder Verbraucher dadurch wirklich irgendeinen Nutzen haben, ist nicht gesichert. Mit dem „integrierten Anbau“ ist es also so ähnlich wie mit den „gesunden Früchten“ – klingt gut, entpuppt sich aber als echter Windbeutel.



Letzte Änderung: 25.05.2009


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