abgespeist.de entlarvt Werbelügen auf Lebensmitteln
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Wie Unilever reagiert


Lebensgefühl Lüge



Wer mit Pinienkernen und Olivenöl wirbt, sollte sie nicht hauptsächlich durch billige Alternativen ersetzen. Denn das ist Verbrauchertäuschung. Genauso wie sich auf ein „Originalrezept“ zu berufen, das Produkt aber mit Aroma aufzupeppen. Mit aufwändigen Werbekampagnen und irreführender Etiketten suggeriert Bertolli Verbrauchern eine Qualität, die das „Pesto Verde“ tatsächlich nicht hat.

Bertollis Antwort auf die abgespeist-E-Mail-Aktion

10. September 2008 | Das findet der Bertolli-Verbraucherservice offenbar nicht im Geringsten problematisch. In der Antwort auf die abgespeist-E-Mail-Aktion heißt es: „Jede beliebte Marke steht für ein bestimmtes Lebensgefühl, eine bestimmte Eigenschaft oder Empfinden – Bertolli ist Synonym für leckere, italienische Küche und mediterranes Flair.“ Verbraucher, die „Bertollis Pesto Verde“ kaufen, bekommen für ihr Geld demnach vor allem Gefühle, Empfindungen und Synonyme, statt ein Pesto, das hält, was es verspricht.

Das ist für Bertolli aber natürlich keine Verbrauchertäuschung. „[…] der deutsche Verbraucher ‚erwartet’ einen ganz bestimmten Pesto Geschmack, den wir ihm bieten.“ Darum, so der Hersteller, werde auch hauptsächlich Sonnenblumenöl statt Olivenöl verwendet – weil es „geschmacksneutral“ sei. Aha. Das sonst so schwärmerisch beworbene „volle“ und „köstliche“ Aroma des „feinen“ Olivenöls tauscht Bertolli also gegen „geschmacksneutrales“ Sonnenblumenöl aus, weil der „deutsche Verbraucher“ es so erwartet? Warum nur wirbt Bertolli trotzdem ausdrücklich mit der Zutat Olivenöl?

Zum Thema Pinienkerne heißt es in dem Schreiben lediglich, es wäre „üblich“, bei „nicht selbst gemachtem Pesto“ den Großteil der Pinienkerne durch Cashewnüsse zu ersetzen. Nur ehrlich sein, und „Cashewnüsse“ vorn auf die Packung schreiben – das möchte Bertolli offenbar nicht.

Das zugesetzte Säuerungsmittel Milchsäure rundet laut der E-Mail-Antwort nicht nur den Geschmack ab, sondern ist auch ein „natürlicher Konservierungsstoff“. Zwar steht auf der Unilever-Homepage, dass Bertolli „traditionell […] bei allen Produkten auf Geschmacksverstärker und Konservierungsstoffe“ verzichtet, aber auch mit den selbst formulierten Grundsätzen nimmt man es wohl nicht so genau.

Schließlich schreibt Bertolli, dass die Zusammensetzung des Pestos „verständlich und deutlich auf dem Etikett aufgelistet“ sei. Der Hersteller ist tatsächlich verpflichtet, die exakten Mengenanteile von ausdrücklich beworbenen Zutaten aufzuführen. „Deutlich und verständlich“ wäre die Zusammensetzung allerdings nur dann, wenn Bertolli nicht mit Zutaten werben würde, die lediglich in Alibimengen eingesetzt werden.

Statt ihre Werbelügen mit dem Kleingedruckten zu rechtfertigen, könnte Bertolli einfach ehrlich sein und mit Zutaten werben, die den Charakter des Pestos wirklich ausmachen: Sonnenblumenöl, Cashewnüsse und Aroma beispielsweise. Aber dass es Ehrlichkeit ist, die Verbraucher an erster Stelle erwarten, das hat Bertolli offenbar noch nicht verstanden. Oder ignoriert es.


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