Hintergrund


Das kleine 1x1 der Aromen

Carlsberg Beo Heimat


09.09.2009 | Wenn’s nach Apfel schmeckt, muss kein Apfel drin sein. Auch wenn pralle Äpfel, Birnen oder Erdbeeren auf den Verpackungen leuchten – mit echten Früchten hat der Geschmack der meisten Getränke, Joghurts oder Süßigkeiten wenig zu tun. Aromen heißen die Zaubermittel der Lebensmittelindustrie. Sie verleihen Produkten im Handumdrehen einen standardisierten Geschmack und ersetzen dabei teure Rohstoffe. Auch Lebensmittel, die das Bio-Siegel tragen sind davon nicht ausgenommen, wie der Fall „beo“ zeigt.




Das Lebensmittelrecht unterscheidet zwischen natürlichen, naturidentischen und künstlichen Aromen. Künstliche Aromen werden im Labor aus unterschiedlichen chemischen Substanzen kreiert und kommen in der Natur nicht vor. Naturidentische Aromen imitieren den Bauplan natürlich vorkommender Aromastoffe, sie werden im Labor also chemisch nachgebaut. Natürliche Aromen schließlich sind Duft- und Geschmacksstoffe, die aus „natürlichen Rohstoffen“ gewonnen werden müssen. Allerdings bedeutet das nicht, dass ein Apfelaroma auch aus Äpfeln stammen muss. Die Ausgangsstoffe für natürliche Aromen müssen lediglich pflanzlichen oder tierischen Ursprungs sein, dabei kann es sich aber auch um Holzabfälle aus der Papierproduktion handeln. Mithilfe von Mikroorganismen wie Hefepilzen oder Bakterien werden diese Rohstoffe dann in Substanzen umgewandelt, die nach Apfel, Erdbeeren oder auch Vanille schmecken.

Die „natürlichen Aromen“ sind ein beliebter Trick der Lebensmittelindustrie, Verbraucher in die Irre zu führen. Denn der Begriff suggeriert Natürlichkeit und Qualität – in Wahrheit sind die Aromen jedoch meist nur ein billiger Rohstoffersatz und haben mit echten Früchten wenig zu tun. Sie enthalten außerdem verschiedene andere Substanzen wie Alkohole oder modifizierte Stärken als Trägerstoffe.

Die EU-Bio-Verordnung erlaubt den Einsatz natürlicher Aromen. Diese müssen nicht einmal aus biologischem Anbau stammen. Vor allem die Hersteller von Bio-Brausen wie Bionade, Sinalco oder Carlsberg nutzen diese großzügige Regelung aus und aromatisieren ihre Produkte nicht ausschließlich mit echten Bio-Früchten, sondern mit natürlichen Aromen. Das, was dem Getränk seinen charakteristischen Geschmack gibt, muss also weder aus der namengebenden Frucht noch aus biologischem Anbau stammen. Um das Bio-Siegel zu erhalten reicht es aus, wenn Zucker oder Malzextrakt in einer Brause „bio“ sind. Das ist minimaler Bio-Einsatz für den maximalen Marketingeffekt, schließlich steht das Bio-Siegel bei vielen Verbrauchern für ehrliche, natürliche Produkte.

Trotz Bio-Siegel auf der Flasche stecken statt Bio-Früchten also oft nicht näher definierte „natürliche Aromen“ in der Brause. Dabei geht es auch anders. Der Bio-Anbauverband Demeter beispielsweise lässt den Einsatz von natürlichen Aromen nicht mehr zu. Safthersteller Voelkel verwendet für seine Bio-Limos nach eigenen Angaben statt natürlicher Aromen Säfte, Fruchtextrakte und Fruchtöle. Bio ist eben nicht gleich Bio.




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