Becel und seine Freunde
10.11.2011 | Unilever ist nicht der einzige Konzern, der Möchtegern-Medikamente zur Cholesterinsenkung vertreibt. Konkurrenz gibt es unter anderem von den Walter Rau Lebensmittelwerken (Deli Reform Active), Emmi (Benecol) und Danone (Danacol). Die Lebensmittelindustrie versucht sich mit diesen Produkten als Heilsbringer für eine Volkskrankheit zu inszenieren. Doch damit sendet sie das völlig falsche Signal, man solle mithilfe von Joghurt-Drinks und Margarine in Eigenregie an seinen Blutwerten herumregulieren. Wer krank ist, sollte zum Arzt gehen und nicht in den Supermarkt.
Die Lebensmittelindustrie steht in Deutschland vor einem Wachstumsproblem: Der Großteil der Menschen hat genug zu essen – glücklicherweise. Der Markt ist im wahrsten Sinne des Wortes „gesättigt“. Daher reicht es für die Lebensmittelindustrie nicht mehr, einfach nur Essen zu verkaufen – die Marketing-Abteilungen sind zu (Schein-)Innovationen gezwungen. Sogenanntes Functional Food, Lebensmittel mit gesundheitlichem Zusatznutzen, sind Kind dieser Entwicklung. Und jene Lebensmittel, die „aktiv den Cholesterinspiegel senken“, gehören zu den Vorzeigeprodukten dieser Gattung. Hier teilen sich Unilever, Emmi, Danone und die Walter Rau Lebensmittelwerke den Großteil des Marktes auf. Mit Margarine und Joghurt-Drinks wollen sie vorgeblich eine Volkskrankheit heilen und lassen sich diese Gesundheitsleistung üppig bezahlen: Die Lebensmittel kosten teilweise mehr als sechs Mal so viel wie vergleichbare Produkte ohne „aktive“ Cholesterinsenker.
Doch all diese „Lebensmittel“ haben Folgendes gemein: Während die sogenannte Wirkung belegt sein mag, das „schlechte“ Cholesterin also durch den täglichen Verzehr unter Umständen gesenkt werden kann, fehlen bislang Belege dafür, dass diese Art der Cholesterinsenkung auch zu weniger koronaren Herzkrankheiten führt. Anders als bei Medikamenten, bei denen nicht nur Wirkung, sondern auch dieser tatsächliche Nutzen nachgewiesen wurde. Deswegen sind sich Experten einig: Wer krank ist, sollte zum Arzt gehen, seine Lebensweise umstellen und gegebenenfalls Medikamente einnehmen. Und nicht aus einem Bauchgefühl heraus mit Pflanzensterinen an seinen Blutwerten herumregulieren. Für Gesunde ist das ohnehin überflüssig.
Hinzu kommt, dass einige Studien auf gesundheitliche Risiken von Pflanzensterinen hinweisen. Vielleicht verursachen sie nämlich auf ähnlichem Wege das, was sie eigentlich verhindern sollen – Ablagerungen in Gefäßen und damit eine erhöhtes Risiko für koronare Herzkrankheiten. Solange diese Produkte offiziell Lebensmittel und keine Medikamente sind, muss das nicht umfassend erforscht werden. Deswegen fordert foodwatch den unmittelbaren Verkaufsstopp dieser „Lebensmittel“ im Supermarkt!
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Danone schickt einen Joghurt-Drink namens Danacol ins Rennen um die Käufergunst. Und auch Danone spricht ungern über die bedenklichen Risiken, auf die verschiedene Studien hinweisen. Kostenpunkt für vier Fläschchen mit ungewissen Spätfolgen: 2,49 Euro.
Bei der cholesterinsenkenden Margarine namens Deli Reform Active von den Walter Rau Lebensmittelwerken verhält es sich ähnlich: Stolzer Preis von 1,99 Euro je 250-Gramm-Packung und völlig unklar, was die enthaltenen Pflanzensterine langfristig anrichten.
Emmi hat mit Benecol einen Joghurt-Drink im Programm. Immerhin: Der Hersteller setzt einen anderen Wirkstoff zu, der das geringere Übel zu sein scheint, was mögliche Nebenwirkungen angeht. Dennoch: Auch Benecol ist eine Art Medikament und hat daher im Supermarkt nichts verloren! Kostenpunkt für 6 Fläschchen: 3,49 Euro.
Mit Becel pro.activ hat Unilever diese fragwürdige Produktkategorie der cholesterinsenkenden Lebensmittel erfunden. Für sage und schreibe 2,99 Euro bekommt der Verbraucher hier 250 Gramm Margarine mit ungewissen Spätfolgen dank der enthaltenen Pflanzensterine.
Fordern Sie Unilever deshalb jetzt zu einem Verkaufsstopp auf!